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Nachfolgedebatte bei Ophüls: Britz und Latz argumentieren mit falschen Tatsachen

Zu den Äußerungen von Oberbürgermeisterin Charlotte Britz und Bürgermeister Ralf Latz zur Nachfolge der künstlerischen Leiterin Gabriella Bandel beim Max-Ophüls-Festival erklärt Elke Masurek, kulturpolitische Sprecherin der Saarbrücker CDU-Stadtratsfraktion und Mitglied im Ophüls-Aufsichtsrat:
„Ich bin über diese Äußerungen mehr als verwundert. Dem Aufsichtsrat war eine Findungskommission zugesagt worden, keine Auswahlkommission. Es sollte von Anfang an ein professioneller Findungsprozess für die Nachfolge stattfinden; dementsprechend sollten objektive Auswahlkriterien festgelegt werden, und zugunsten einer direkten Kandidatenansprache ggf. auch ohne Ausschreibung das Verfahren beschleunigt werden. Hätte sich Gabriella Bandel, wie es uns dargestellt worden war, wirklich aus eigenem Wunsch von der Festivalleitung zurückziehen wollen und uns einen geeigneten Nachfolger benannt, hätte man womöglich einen Kandidaten für einen bruchlosen Übergang in der künstlerischen Leitung gehabt. Die Situation ist aber ganz anders gekommen: Gabriella Bandel muss die Festivalleitung und den damit verbundenen Vertrag aufgeben, ihre Stelle bei der Landeshauptstadt wird sie aber behalten und somit zukünftig in irgendeinem städtischen Amt Dienst tun müssen. Hier wird jetzt auch noch Kompetenz verschleudert. Und aus der Findungskommission ist nun eine Auswahlkommission geworden, die wohl nur noch den Kandidaten abnicken soll, den die Verwaltung vorschlägt – ohne uns! Aus dem wichtigsten Nachwuchsfestival für den jungen deutschsprachigen Film droht eine Provinzposse zu werden, wie es die Berliner Zeitung in ihrem Feuilleton richtig beschreibt. Die Festivalkonkurrenz reibt sich schon die Hände, Saarbrücken den Rang abzulaufen“ kritisiert Masurek.

Sascha Zehner, ebenfalls Mitglied im Kulturausschuss und im Ophüls-Aufsichtsrat ergänzt: „Die Findungskommission hat bis heute kein einziges Mal getagt. Dabei soll die neue Festivalleitung bereits in einem Monat feststehen. So war das im Aufsichtsrat nicht abgemacht, wir fühlen uns von der Verwaltungsspitze getäuscht. Ein sauberes Besetzungsverfahren scheint damit ohne Ausschreibung nicht mehr möglich. Wenn die Verwaltungsspitze nun versucht, ein geordnetes Verfahren wegen Zeitdrucks zu umgehen, kann dies kein Argument sein, denn die zeitlichen Abläufe und Notwendigkeiten sind lange bekannt. Zudem würde der Wert des nicht nur national bedeutenden Max-Ophüls-Festivals erheblich gemindert, wenn die neue Leitung quasi im Vorbeigehen beschlossen würde.“

Die Verwaltung habe ihren Vertrauensvorschuss verbraucht. Einmal mehr entstehe der Eindruck, dass im Hinterzimmer von Dezernent und Oberbürgermeisterin Posten verschachert werden, so Masurek und Zehner weiter.

„Wir haben das Vertrauen in ein fachbezogenes Vorgehen verloren, daher muss das Auswahlverfahren für die Festivalleitung schnellstens wieder in geordnete Bahnen gelenkt werden. Wir verweisen hierbei auf unseren Kriterienkatalog für mögliche Bewerber. Zudem stellt sich die Frage, ob so ein Hau-Ruck-Verfahren dazu geeignet ist, das Vertrauen der Sponsoren, auf die das Festival so dringend angewiesen ist, zu erhalten“, fragen Elke Masurek und Sascha Zehner abschließend.


Kriterienkatalog der CDU-Stadtratsfraktion:

Nach unserem Dafürhalten sollte die zukünftige künstlerische Leitung des Max-Ophüls-Filmfestivals folgende Eigenschaften und Qualifikationen mitbringen. Wir erheben dabei nicht den Anspruch der Vollständigkeit:

  • eine fundierte Kenntnis der Geschichte des deutschen Films
  • einen guten Überblick über die deutschsprachige Festivalszene (auch Schweiz und Österreich) inklusive nachgewiesener Besuche von Festivals
  • möglichst gewachsene Beziehungen zu Filmschulen bzw. die Fähigkeit, sie rasch aufzubauen
  • die intellektuelle Kapazität, Filme qualifiziert dramaturgisch und ästhetisch zu beurteilen (Kenntnisse als Regisseur, Dramaturg, Produzent, Kritiker wären hilfreich)
  • eine gesellschaftspolitisch fundierte Bildung, die es erlaubt, wichtige Themen der Zeit zu erkennen und dementsprechend auch Filmreihen zu kuratieren
  • Kuratierungserfahrungen im Bereich von Film, Bildender Kunst oder Literatur
  • für das Verfassen von Katalogtexten und Reden die Fähigkeit, sich gut auszudrücken
  • eine Affinität zum politischen Diskurs mit Stadt- und Landespolitikern (Fördermittel)
  • repräsentatives und eloquentes Auftreten der Presse gegenüber und zu gesellschaftlichen Anlässen
  • die Fähigkeit, potentiellen Sponsoren die Attraktivität des Festivals darzustellen und sie dafür zu begeistern (wobei das Sponsoringgeschäft selbst nicht Aufgabe der künstlerischen Leitung, sondern der Geschäftsführung ist)
  • hohe Belastbarkeit, denn in der „heißen“ Phase des Festivals muss die perfekte Koordination der einzelnen Aufgaben auch unter Stress stattfinden
  • gute Vernetzung mit Produktionsfirmen, die deutschsprachige Nachwuchsfilme herstellen